Alina

Wie kamst du zum fotografieren?

Ich glaube keine Frage wurde mir so oft gestellt wie diese, darum dachte ich mir schreibe ich einfach mal einen kleinen Blog Beitrag für euch dazu. Fangen wir mal ganz von vorne an:

So wie bei den meisten Fotografen beginnt mein Einleitunggsatz mit: ich bekam irgendwann eine Kamera in die Hand gedrückt und konnte sie dann nie wieder loslassen. Bei mir war es Papa, er kaufte sich seine erste Digitale Spiegelreflex Kamera und sah sie dann eigentlich nicht wieder. Damals war ich um die 12 Jahre alt. Meine Schwester und meine Freundinnen aus der Schule mussten anfangs oft herhalten, wenn ich wieder Dinge ausprobieren wollte. Mein Kinderzimmer wurde zum provisorischen Fotostudio. Ich fotografierte meine Klassenkameradinnen, und irgendwann deren Freunde, und deren Geschwister, und deren Freunde…

Anfangs war mein größtes Problem noch die Kommunikation. Ich war schüchtern, und nicht so so ein bisschen, sondern richtig übel. Wenn es irgendwie ging habe ich immer meine Schwester vorgeschickt um zu reden, und plötzlich musste ich – mein größter Horror – mit fremden Menschen reden. Alleine. Über das was mir am meisten am Herzen lag. Und wenn es dann noch von fremden kritisiert wurde. Oh wei, das habe ich mir immer so sehr zu Herzen genommen.

Unsere alte Scheune wurde langsam aber sicher zum Fotostudio umfunktioniert, ich erstellte mir eine Homepage und hatte die ersten kleinen Erfolge als meine Bilder bei Wettbewerben veröffentlicht wurden. Nach der Realschule ging ich nach Fulda um mein Fachabi im Bereich Gestaltung zu machen. Dort fühlte ich mich erst mal ziemlich klein, da plötzlich alle besser zeichnen konnten als ich und ja sooo viel kreativer waren. Ich dachte ich könnte da niemals mithalten… Und dann noch diese blöde Schüchternheit, die stand mir auch ständig im Weg. Das Fachabi hat wirklich Spaß gemacht und ich habe sehr viel gelernt. Ich überlegte danach die Fotografie klassisch zu lernen oder zu studieren, aber nachdem ich verschiedene Praktika in Frankfurt und Darmstadt gemacht habe, wusste ich ganz sicher, dass ich nicht in so einer großen Stadt leben wollte, und hier auf dem Lande ist ja bekanntlich nichts los. Die Firmen in denen ich reingeschnuppert habe waren nur auf Werbefotografie spezialisiert und das hat mich ein wenig die Freude an der Sache genommen. Warum genau wusste ich dann erst später.

 

Die Vorstellung später Selbständig zu sein, machte mir auch Angst, ich kannte es von meinen Eltern. Beide Selbstständig, und dann immer diese Verantwortung und das Risiko alles zu verlieren, wenn etwas schief geht. Zu dem Zeitpunkt unvorstellbar. Ich wollte Sicherheit.

2010 – Plötzlich ging alles drunter und drüber. Vor lauter Praktikum und Fototerminen hatte ich auf einmal den Zeitdruck im Nacken noch rechzeitig eine Ausbildung zu finden, die Trennung meiner Eltern und der Umzug, alles ziemlich zeitgleich. Ich Sensibelchen war völlig überfordert und verloren. Ich landetet in Fulda, begann meine Ausbildung als Hotelfachfrau und wusste nach ungefähr zwei Wochen, dass diese Ausbildung die falsche Entscheidung war. Drei Jahre und viele, viele Tränen später beendete ich meine Ausbildung erfolgreich, und habe gemerkt dass ich immerhin was fürs Leben gelernt habe. Ich konnte nun problemlos mit fremden Menschen reden und war stärker. Ich wusste ich komme klar, ganz alleine und egal mit wie wenig Geld. Ich schaffe es. Ich kann Dinge durchziehen auch wenn es verdammt hart war und plötzlich keiner mehr da war der einen an die Hand nimmt.

Und dann war mir klar: Jetzt bin ich dran, es ist mein Leben. Ich warf die Angst über Bord, kaufte mir meinen Bulli, begann wieder zu fotografieren, und machte nur noch das, was sich für mich richtig anfühlte.

 

2013 begann mein neues Kapitel. Das Leben ist einfach zu schön und zu kurz um 40 Stunden in der Woche (oder mehr) einen Job zu machen, der mir keinen Spaß macht. Bei dem man ständig auf die Uhr schaut und hofft dass man bald nach Hause kann. Jetzt arbeite ich, grade in der Hauptsaison, oft mehr als 40 Stunden, aber da es genau mein Ding ist, vergesse ich oft die Zeit und bin abends glücklich und zufrieden mit dem was ich getan habe.

Da fing ich auch an wieder alles Bewusst zu genießen. Ein freier Morgen in meinem Garten, der erste Kaffee in der Sonne. Die Freiheit meinen eigenen Tag zu gestalten. Einfach das Leben zu lieben. Habe das Leben nicht mehr so ernst genommen, bin oft umgezogen und habe mich in viele Dinge Hals über Kopf gestürzt und meine Erfahrungen gemacht. Und das alles war gut so. Fotografisch habe ich mich nach und nach auf Hochzeiten spezialisiert, weil sie das sind wofür ich brenne.

Zusammengefasst: Ich habe die Fotografie weder Studiert noch klassisch gelernt, habe die Grundlagen aus der Schule und in dem Jahr Praktikum, und mir eigentlich das meiste selber beigebracht, durch nächtelanges Lesen, Videos schauen und Workshops. Ohne viel, viel Ehrgeiz wäre das auch nicht gegangen. Ich habe immer wieder ausprobiert, habe ganz viel nach Bauchgefühl gemacht, oft haben die Sachen funktioniert und wenn mal was schiefging habe ich daraus gelernt.
Jetzt habe ich um die einhundert Hochzeiten hinter mir und bekomme immer noch nicht genug. Ich habe einen vollen Terminkalender für das ganze Jahr und das nächste füllt sich auch schon rasant. Ich bin unendlich glücklich und Dankbar dass es so viele Menschen gibt die meine Arbeit und meine liebe zu meiner Arbeit schätzen.

Es war kein gradliniger Weg, aber ich bin derzeit genau da wo ich hingehöre und wo ich mich einfach wohlfühle. Ich habe noch lange nicht ausgelernt, ich hoffe das werde ich auch nie, und bin einfach gespannt was das Leben noch alles bringen wird.